Ein zentrales Element eines vitalen Lebens ist die konsequente Verwendung einer Grundfunktion unseres Körpers: Bewegung. Leider wird dies durch unsere moderne Lebensweise nicht gerade unterstützt.

Im Gegenteil: Wir erfinden alles, um uns körperlich zu entlasten: Fahrstühle, Fernbedienungen, Smartphones, Online-Shopping, Home-Office und Vieles mehr.
Wir sind dafür gemacht, uns zu bewegen. Und zwar um ein Vielfaches mehr, als heute noch üblich ist. Unser Körper will und braucht regelmäßige Bewegung und Sport, aber leider verbringen wir heutzutage extrem viel Zeit in unvorteilhafter Haltung am Schreibtisch, im Auto, im Job. Wir sind in unserer Evolution von knallharten Mammutjägern über Ackerbauern zu Bequemlichkeitsmenschen geworden. Niemals in ihrer Geschichte hat sich die Menschheit so wenig bewegt wie jetzt. Ausbleibende Bewegung und viel Sitzen machen krank! Es ist nichts gegen entspanntes Zusammensitzen in geselliger Runde nach einem langen Arbeitstag einzuwenden. Problematisch wird es jedoch, wenn dieses „Dauersitzen“ zum Normalzustand wird, oftmals bedingt durch unsere, im Vergleich zu früher, veränderte Arbeitsumgebung. Dauersitzen und Bewegungsmangel wirken sich auch auf Zucker- und Fettstoffwechsel aus, auf Blutfluss sowie Gefäßfunktion. Ebenfalls sind Entzündungswerte gesteigert, Muskeln bauen sich ab, Fettzellen füllen sich und selbst die Psyche leidet.
Immer weniger Menschen nehmen sich wirklich regelmäßig und ausreichend die Zeit für sportliche Bewegung, dabei hat regelmäßiger Sport bekanntermaßen nur Vorteile und einen nachweislich positiven Effekt auf unsere Gemütslage. Bereits während des Sports schüttet unser Körper Glückshormone aus, man fühlt sich gut. Das Gefühl, sich etwas Gutes getan zu haben, oder auch der freundschaftliche Wettbewerb erzeugen weitere Glücksgefühle, welche auch über die reine Zeit der sportlichen Aktivität hinaus anhalten.

Also zu den Fakten: Wie ist der menschliche Körper entwickelt? Wofür wurden wir eigentlich designt? Und dann eben die logisch folgende Frage: Entspricht die heutige durchschnittliche Verwendung dieser wunderbaren „Maschine Mensch“ ihrem ursprünglichen Zweck? Oder wenden wir unseren Körper heute einfach falsch an?
Ein Beispiel: Ein Smartphone funktioniert als Hammer, als Flaschenöffner und als Frisbee, aber dafür ist es nicht entwickelt worden.
Genauso verhält es sich mit Ihrem Körper. Er funktioniert in einem Büro-Umfeld mit zehn Stunden am Schreibtisch, Kantinenessen und wenig Sonnenlicht. Er funktioniert als Bademeister mit wenig Bewegung dafür intensivem Sonnenlicht und als Koch mit vielleicht grandioser Ernährung, dafür immensem Stress und Arbeitszeiten außerhalb seines zirkadianen Rhythmus. Ihr Körper ist ein meisterliches Kunstwerk der Kompensation und der Adaptation. Er wird sich immer an Einflüsse anpassen, sich dadurch weiterentwickeln und oft sogar verbessern. Die Entwicklung der letzten zwei bis drei Generationen ist jedoch einfach zu schnell, um sich evolutionär anzupassen.  Also „verwenden“ wir heute unseren Körper nicht mehr so, wie er mal gedacht war.

Die natürliche Verwendung unseres Körpers ist ein Lebensstil geprägt von Bewegung, Wachstum, dem Streben nach Gesundheit und Lebensfreude. Momentan allerdings bewegen wir uns mehrheitlich auf einen Lebensstil der Bequemlichkeit und der Zivilisationsleiden zu. Chronische Rückenschmerzen sind mittlerweile einer der Hauptgründe für krankheitsbedingte Arbeitsausfälle (80%). Von Übergewicht bis hin zu Schlafmangel, von Stimmungsschwankungen bis hin zur Veränderung des Hormonhaushaltes, auf all das und Vieles mehr hätte mehr Bewegung einen schlagkräftigen, positiven Einfluss. Doch wie erwähnt, bewegen wir uns weniger als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit.
Wir sollten daher nicht darauf warten, dass die moderne Medizin immer Schritt hält mit allen neuen Zivilisationsleiden, die auftreten. Oder, dass sie immer neue Kunststücke vollführt, die beispielsweise in der Orthopädie solche Leiden kuriert, die eigentlich durch fehlende Beanspruchung oder Fehlbeanspruchung unseres Körpers entstehen. Natürlich wird es an dieser Front immer weiter gehen, die Medizin wird sich weiterentwickeln und viele Probleme lösen können. Aber was ist, wenn wir dieses Probleme gar nicht erst zulassen? Wie würde sich das anfühlen, nach einem zehn Stunden Tag am Schreibtisch, dem Schleppen schwerer Einkäufe und Wäschekörbe oder der langen Fahrt im Auto keine oder weniger Rückenschmerzen zu haben? 80% aller chronischen Rückenschmerzen haben ihre Ursache in einer zu schwachen Muskulatur. Dabei sind nicht nur die Rücken-, sondern auch die Bauch-, Gesäß- und Oberschenkelmuskeln wichtig, um die Wirbelsäule zu stärken. Vor allem ein ausgeglichenes Verhältnis dieser Muskelpartien ist wichtig (nur Bauchmuskeln reicht auch nicht). Zusammen bilden die Muskeln sozusagen ein natürliches Korsett. Um die Muskeln in Bauch, Gesäß, Oberschenkel und Rücken aufzubauen, sind Physiotherapie, gezielte Rückenübungen und Gerätetraining sinnvoll. Auch Pilates und Yoga dienen der Muskelstärkung. Ganz wichtig ist aber auch die Dehnung. In unserer heutigen Zeit sind oftmals Muskeln verkürzt – insbesondere im vorderen Körperbereich, da wir häufig nach vorne gebeugt vor dem Computer sitzen oder einseitig trainieren. Gerade ein Großteil der unspezifischen Rückenschmerzen lassen sich durch Dehnung beseitigen. Empfohlen werden mindestens zwei bis -drei mal pro Woche für 30 bis 45 Minuten ein Muskelkräftigungs- und Muskeldehnungsprogramm. In den allermeisten Fällen liegt es in unserer eigenen Hand, daher gibt es keine Entschuldigung und keine Ausreden, diese vorbeugende Chance ungenutzt zu lassen.

1 Kommentar
  1. Tobias Spranger
    Tobias Spranger sagte:

    Bewegung hält mich jeden Tag gesund.

    Herzlichen Dank für Ihre interessanten Infos zum Thema Bewegung und Gesundheit. Für mich ist es ist ein besonderes Erlebnis, kleine Kinder zu beobachten, wenn sie ihre kleine Welt entdecken. Ihr Bewegungsdrang scheint ungebrochen, selbst wenn sie mehrfach hinfallen. Die Lust an der Bewegung scheint uns angeborgen, allein schon deshalb, weil wir neugierig sind. Es fällt auch auf, dass Kinder nicht spazieren gehen, das ist doch einfach zu langweilig. Nein, Kinder laufen, es ist ihr normaler Fortbewegungsmodus und die Freude an der Bewegung treibt sie an, hält sie gesund und stärkt ihr Immunsystem. Gleichzeitig sind sie dabei viel an der frischen Luft, die Lungen füllen sich mit Sauerstoff, das Herz schlägt kräftig, Sehnen und Muskeln werden gestärkt und Glücksgefühle machen sich breit. Der ganze Körper schreit: „Mehr Bewegung, Bewegung hält mich gesund.“

    Etwas älter geworden entdecken wir die ‚Vorzüge‘ der Bequemlichkeit. Beim Fahrrad muss es schon ein Ebike sein, es ist ausreichend, wenn das Auto sportlich ist. Viele von uns verlieren die Freude und Lust an einer gesunden Bewegung, manchen ziehen sich sogar in virtuelle Welten zurück. Nichts aber gibt uns das, was Bewegung in freier Natur und gesunder Luft mit uns macht. Wir atmen auf, sind wie befreit und wir kommen ‚etwas runter‘. Haben wir das Glück, in schöner Umgebung einige lauschige Plätzchen zu kennen, sind sie uns wie Kraftorte. Sie helfen die Gedanken und die Seele wieder in ein gutes Gleichgewicht zu bringen.

    Zu dem allem verschaft uns gesunde Bewegung einen gestärkten Kreislauf, eine kräftige Lunge und ein gutes Immunsystem. Alles ganz kostenfrei ohne ärztliches Attest und Impfung. Bewegung heißt ja nicht gleich extrem Sport zu machen. Ob beim Haushalt, im Garten, bei der Autopflege oder beim Treppensteigen. Wir legen bereits im normalen Alltag täglich einige Kilometer zurück. Lernen wir Bewegung als ein Gesundheitsritual zu verstehen. Gehen wir mehr in unsere Bewegungen hinein, fördern wir unsere Beweglichkeit nachhaltig. Mit ein paar leichten Übungen ‚zwischendurch‘ ergänzt, haben wir so schnell unseren kleinen Alltags-Trainingsplan zusammen gestellt.

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